das leben ist zu kurz...

für schlechte musik
für dumme laberei
für alle art von krieg
für exzessive plackerei

um sich seine zeit zu versaun
um ständig auf die uhr zu schaun
um permanent in der bude zu hocken
um ständig rum zu bocken

für billigen wein
für abgestand'nes bier
für dauernd-allein-sein
für nen schlecht ausgebildeten barbier

für überhöhte preise
für streitereien mit der ex
für ne inlandsreise
für mittelmäßigen sex

komm' mal wieder raus
bleib nicht immer nur zu haus
hockst du dauernd vor dem ofen
ist das feuer schneller aus

mit freundlicher unterstützung der WiseGuys

soundtrack of my life

rock'n'roll. das ist schon lange her. zumindest der ur-rock'n'roll: schmalzlocken, petticoats, akrobatische tanzfiguren, elvis, cadillacs, jerry lewis, lederjacken und plüschwürfel am rückspiegel. es war eine verrückte zeit und es hat schon einige versuche der wieder-einführung in unsere musikultur gegeben: dick brave hat uns wieder an 'die gute alte zeit' erinnert. und er hat einen verdammt guten job gemacht. boppin b waren würdige nachfolger, doch dann war es für eine weile wieder still an der rockabilly front. letzten sommer hat es eine erneute welle gegeben. der auslöser: the baseballs. keine sportmannschaft aber eine enorm lebhafte band, die ganz im sinne von dick brave popsongs neu aufnehmen. diese band und eine ganz andere musikrichtung, über die ich ein andern mal schreiben will, haben meinen letzten sommer stark geprägt und so manche spontane tanzeinlage provoziert. zudem hatte ich auch die chance sie auf dem hessentag live zu sehen. grandios, was ein paar kerle mit pompadour und koteletten, ein zelt voll mit tanzwütigen jungs und mädels und der 'elvis-lebt-noch'-gedanke alles anrichten können.
angel ist ursprünglich von robbie williams, von dem ich als entertainer und sänger viel halte, und die version von the baseballs zieht einen schlicht und ergreifend vom hocker - auf die tanzfläche. oder das küchenparkett. (hier der auftritt vom hessentag)

kirchenmusik und pferdegeflüster

st. patricks ist ein relativ moderne kirche. das liegt mitunter daran, dass sie erst seit '69 steht. sie ist jeden sonntag proppenvoll und es gibt sogar einen platzanweiser. er ist eine mischung aus willi und frau felger. sehr bestimmt in seinem tun und relativ wichtig im auftreten. ich nehm's ihm nicht übel, er meints ja nur gut. die gemeinde ist gut organisiert, manchmal etwas zu gut. nichts scheint hier dem zufall überlassen und man ist darauf bedacht, dass jeder mitkommt. so werden neben den liedern auch die lesungen, das evangelium, das vater unser und das glaubensbekenntnis auf leinwand projeziert. ich find das praktisch, weil ich die gebete im englischen noch nicht alle aus dem effeff kann, aber überrascht hat es mich schon. gesangbücher hab ich noch in keiner gemeinde in neuseeland gesehen. es ist hier einfach nicht üblich. vielleicht ist es auch einfach schöner, wenn alle beim singen nach vorn schauen und nicht nach unten ins gotteslob. der priester kommt von den philippinen und es ist manchmal gar nicht so einfach seinem starken dialekt zu folgen, aber seine enthusiastischen predigten und tiefsinnigen vergleiche sind immer sehr anschaulich.

nach der kirche am vergangen sonntag bin ich zum zweiten mal zu den showgrounds in hastings gefahren. diesmal war kein bier im spiel, sondern der "horse of the year" wettbewerb. anne ist früher selbst sehr viel geritten und hat auch reitstunden gegeben. ihr liebe zu diesen vierbeinern ist groß und sie verbindet viele glückliche erinnerungen mit dressur- und springreiten. somit hat sie dieses jahr wieder zu den offiziellen gehört und als ansagerin bei der dressur fungiert. ihr ist es also auch zu verdanken, dass ich kostenlos reingekommen bin. wirklich interessiert war ich noch nie am pferdesport. nichts desto trotz sind es sehr elegante tiere und es war beeindruckend zu sehen, zu welcher leistung ihre reiter sie treiben können. es waren natürlich auch dutzende aussteller vorort: es gab alles zu bestaunen oder zu kaufen von futtermischungen bis zu sätteln, von stallanlagen bis hin zu reituniformen, helme, peitschen, steigbügel, cowboyhüte, gürtelschnallen und sogar 'regenjacken' für pferde.  einfach unglaublich. und was mich am meisten beeindruckt hat: die trailer. riesige wohnwagen, mit platz für drei oder sogar 4 pferde und allem was man in einem wohnwagen braucht (bett, küche, bad) oder nicht braucht(stereoanlage aussen und innen(auch für die pferde), bbq, tv). solche trailer kosten dann mal gut und gerne zwischen 150.000 und 200.000€. stolzer preis. sind aber auch schön anzusehen und ein haus braucht man dann eigentlich auch nicht mehr.

meine tage in napier sind nun gezählt. in einer woche geht der bus nach wellington und von dort flieg ich nach christchurch. 3 wochen habe ich nochmal für die südinsel eingeplant. einige wandertouren warten auf mich und die ein oder andere stadt will auch noch gesehen werden.


new zealand fun facts. part I

tomaten-ketchup heißt hier tomato sauce.

weinabfüllen und deutsche gesellschaft


nachdem ich ja bis letzte woche dienstag auf der baustelle gearbeitet hab, hatte anne ab donnerstag für drei tage schon den nächsten job für mich parat: wein abfüllen in der riverside winery. ein kleines weingut ca 30 min außerhalb von napier. klingt eigentlich sehr spannend. wohnen sollte ich bei gisela, eine deutsche freundin von anne. sie ist alleinerziehende mutter von drei wohlerzogenen und bemerkenswerten töchtern: olivia(12), jessica(14) und natalie(15). da anne mich bis montag nicht brauchte und sich gisela vor 2 wochen den arm gebrochen hat, bin ich bis montag früh geblieben und der familie ein bisschen unter die arme gegriffen.
die arbeit auf dem weingut war simpel und anstrengend: drei tage lang flaschen vom fließband runternehmen und in große holzkisten stapeln. den dreh mit dem stapeln hatten wir bald raus. aber ca 8 stunden lang nichts anderes machen als je zwei flaschen in die hand zu nehmen und wieder abzulegen, kann ganz schön öde sein. und die hände tun einem dann auch weh. am freitag hatten wir ein bisschen abwechslung und es wurde etikettiert. da das weingut nur klein ist und sich keine abfüll- oder etikettiermaschine leisten kann, gibt es für solche fälle einen abfüll-mietservice. die kommen dann mit nem lkw und anhänger und platzieren sich auf dem hof des weinguts. im lkw ist die abfüllanlage und auf dem anhänger die etikettiermaschine. sehr praktisch. beim etikettieren war alles ein bisschen einfacher, da ich die flaschen nur in die kartons sortiert hab und dann auf dem förderband weitergeschickt hab. am ende habe ich je eine flasche sauvignon blanc und chardonnay geschenkt bekommen und war um ca. $250 reicher. gut gemacht maddin.
bei gisela hab ich ein bisschen in haushalt geholfen und vor allem die hecke geschnitten. leider habe ich ausser dem sonnenuntergang nicht wirklich daran gedacht fotos zu machen. ein bisschen schade. aber nicht zu ändern. die hecke war ein monsterakt, hat aber spaß gemacht. gisela wohnt inmitten einer apfelplantage, die sie bis vor 2 jahren auch noch selbst betrieben hat, was ihr aber dann zuviel wurde. das haus ist neugebaut und als danielle und ich das letzte mal ende januar dort waren, sind sie gerade eingezogen und wir haben mit ein paar sachen geholfen.

nun bin ich wieder zurück bei anne und hab heute schon wieder beim holzhacken geschwitzt und beim unkraut jähten entspannt. heute sind freunde von anne aus kanada zu besuch und morgen ist saint patricks day, der auch hier in nz groß gefeiert wird. ich werde mir also einen irischen pub suchen und ordentlich auf die pauke hauen. langsam werd ich auch mal in die gänge kommen und meine letzten drei wochen im april verplanen, damit ich weiß, was auf mich zukommt.
und jetzt wie immer an dieser stelle: fotos.

ps: smoko gibts auch auf'm weingut...


nachschub

bevor ich mit neuen bildern und stories aufwarte, will ich erstmal die versprochenen bilder von der baustelle reinstellen, damit ihr auch sehen könnt, was ich da so gemacht hab...


smoko

smoko [ˈsmoʊkoʊ] ist eine etwa 10 bis 15 minütige unterbrechung der arbeit zum zwecke der erholung mittels konsum von tee (unter umständen gebäck) und zigaretten, welche häufig auf baustellen in neuseeland zu finden ist. ursprünge des begriffs vermutet man in der zusammensetzung der wörter 'smoke' (vgl. 'having a smoke': eine zigarette rauchen) und 'coffee', wobei aus unerfindlichen gründen das 'c' in 'coffee' durch ein 'k' ersetzt wurde. im wandel der gesellschaftlichen gepflogenheiten und mit der rückbesinnung auf die kolonialzeit unter der britischen krone wurde der kaffee immer mehr durch den tee verdrängt, wobei eine umbezeichnung dieser pausen in 'smote' scheinbar nicht in frage kam. übliche zeiten sind 10 Uhr vormittags und 3 Uhr nachmittags - jeweils zwei stunden abstand zur mittagspause.

was braucht man für einen 'smoko'? nun, das ist einfach: tee (vorzugsweise schwarzer tee), milch (üblicherweise 1 bis 2 cl pro tasse), zucker (ein bis zwei löffel, je nach geschmack), gebäck (optional) und zigaretten (üblich ist eine). nicht zu vergessen ein paar gesellige mitarbeiter, einen pausenraum, tassen, wasserkocher, sitzgelegenheiten (können auch primitiv sein - farbeimer, holzplanken, fussboden) und ein hund der zwischen den beinen rumwuselt (ebenfalls optional). fertig ist der smoko.

fisch

heute habe ich eine meiner letzten großen hürden der selbstständigkeit in angriff genommen: kochen. ich gebe oft und ohne zögern zu, dass ich nicht kochen kann. fakt. aber manchmal probier ich es doch. still und heimlich. ganz für mich. jemand anderem würde ich das, was da aus der pfanne kommt auch kaum vorsetzen. gut, vielleicht bratkartoffeln. die sind mittlerweile schon ganz annehmbar (liegt wohl in den genen, ne papa?). aber heute sollte es mal was besonderes sein. eine herausforderung: fisch. das ist für mich erst recht ein schreckgespenst. aber unerschrocken habe ich losgelegt: fisch am hafen gekauft, mit butter und honig bestrichen, knoblauch, salz und pfeffer drüber, noch ein bisschen rosmarin und milch dazu und rinn in den ofen. schnell ein paar erbsen warm gemacht, pasta in den topf geworfen und: TAAAADDDAAAAA. fertig war ein feines essen, das mit einem gewürztraminer auf den tisch kam. das hätte ich sogar gästen angeboten.


art deco festival

napier ist art deco. so einfach ist das. nachdem 1931 ein erdbeben die stadt fast komplett zerstört hat, wurde sie in art deco stil wieder aufgebaut. erstens, weil es damals modern war und zweitens billig, denn jungen architekten wurde für ein geringes entgelt die chance geboten, sich an dem wiederaufbau zu beteiligen. nun wird schon seit jahrzehnten der neuaufbau dieser stadt mit dem 'art deco festival' gefeiert und die goldenen 20er und 30er werden bis ins detail gelebt und zelebriert.
natürlich habe ich davon schon gehört, bevor ich hierher kam, aber erst anna hat mit bildern von den letzten jahren die begeisterung in mir und den anderen geweckt. es ging also erstmal darum ein kostüm zu finden. ich hab mich für den huckleberry-finn-look entschieden und meinen charakter 'the drifter dorian' (den herumtreiber dorian) genannt. dann kam die große nachricht: tony, ein freund von anne, nimmt uns mit auf seinem pickup um in der großen parade durch napier zu fahren. und das ist nicht nur irgendein pickup, sondern ein 1941er ford v8. auf die ladefläche hat er ausgediente kirchenbänke geschraubt. ein traum in schwarz und rot. nach der parade sind wir ein bisschen durch die stadt geschlendert um alles in uns aufzusaugen, während die wagen, die am umzug teilgenommen haben, auf der marine parade (die hiesige strandpromenade) aufgereiht wurden, damit jeder sich mal mit so einem schicken oldtimer ablichten lassen oder mit dem besitzer schwatzen konnte. für uns gings dann ins churchill, wo wir mit freunden von tony einen feuchtfröhlichen nachmittag verbringen konnten (die rechnung von knapp 500$ spricht für sich). nach ein paar abstechern zu dem ein oder anderen nach hause, sind wir wieder in der stadt gelandet, haben ein paar bars besucht und sind letztendlich bei der 'sound shell' am strand angekommen. eine art orchester-muschel (ich weiß gar nciht wie man diese art von bühne nennt) und die band hat ein paar klasse oldies hingelegt. nicht zu vergessen das publikum - natürlich alle entsprechend gekleidet bzw. kostümiert - die sich in eine unglaubliche euphorie getanzt haben. der sonntag begann mit einem fabelhaften langusten-picknick am strand. es wurden tische, bänke und sonnenschirme aufgebaut und die tollsten sachen aufgetischt: über sekt und natürlich die langusten, bis hin zu obst und köstlichen desserts. danach habe ich mich ganz plötzlich in einem der feinsten gebäude napiers wiedergefunden: dem hawkes bay gentlemen's club. gute gespräche, ein paar drinks und blauer himmel - kurzum ein passender abschluss von einem großartigen wochenende. ich hab tony dann noch mit dem truck und den resten vom picknick geholfen und alles zu ihm nach hause verfrachtet um anschließend bei sonnenuntergang mit einem glas wein den tag zu beschließen.

fazit: für mich könnte es jeden tag so sein wie in den 20ern und 30ern. und nun: bilder.